LaTeX mit gedit

Prinzipiell kann man LaTeX-Dokumente mit einem beliebigen Editor verfassen und danach im Kompilierungsschritt aus dieser Datei ein hübsches fertiges PDF-Dokument erzeugen. Es gibt allerdings eine Vielzahl von Texteditoren, die sich auf das Arbeiten mit LaTeX spezialisiert haben und Funktionen wie Autovervollständigung, Syntax-Farbgebung und direkte Verknüpfungen zum Kompilierungswerkzeug (pdflatex) bieten.

Ein besonders schöner Editor, dem man die Benutzung von LaTeX allerdings teilweise noch beibringen muss/kann ist der Editor gedit der Linux GNOME-Desktop-Umgebung. Wenn man das allerdings tut ist ein unglaublich effektives Arbeiten möglich. Für Linux-Systeme gibt es sowieso schon das gedit LaTeX-Plugin, aber wir wollen mehr!

Um den Vorteil von gedit gegenüber anderen TeX-Editoren wie z.B. Kile zu verstehen, muss ich kurz das Schnipsel (engl: Snippet) Plugin erklären.

Was wäre, wenn man die Tabelle im eigenen Lieblingsstil nicht mehr jedes mal von woanders kopieren, geschweige denn neu schreiben müsste? Was wäre, wenn man durch die Eingabe eines selbst eingestellten Wortes diese Tabelle automatisch eingefügt würde? Klingt gut? Ja…in der Tat. Und es geht! Mit Schnipseln.

Schnipsel sind leicht zu erstellen. Zunächst einmal muss man das entsprechende Plugin unter Bearbeiten->Einstellungen->Plugins aktivieren (meist ist es vorinstalliert). Unter Werkzeuge gibt es nun den Menüpunkt “Schnipsel verwalten” in dem man das tun kann, was der Name suggeriert, und zwar nach Syntax sortiert, d.h. man kann Steuerbefehle auch mehrfach vergeben.

Ein Schnipsel könnte beispielsweise so aussehen:

\frac{${1:Zähler}}{${2:Nenner}}$0,

dabei kennzeichnen die $-Zahlen Positionen an die der Cursor durch Druck von TAB springt. Die kompliziert aussehende Schreibweise mit den Klammern ist ein Kommentar, damit man weiß was an der entsprechenden Stelle eingegeben werden muss (hier zugegebenermaßen etwas überflüssig). $0 ist die Endposition des Cursors (kann auch wenggelassenw werden).

Aktiviert werden kann es entweder durch eine Tastenkombination, oder durch eine Tabulatorauslösung (wort+TAB). Gibt man also beispielsweise frac+TAB im LaTeX-Dokument ein, wird stattdessen der Schnipsel eingefügt.

Unglaublich nützlich ist “{$0}” mit der Tabulatorauslösung “{” zum Schließen von Klammern.

Man kann natürlich auch größere Dinge wie

\begin{wrapfigure}[]{${1:l/r}}{$2\textwidth}
\in{${3:cludegraphics}}
\label{${4:Label}}
\caption{${5:Caption}}
\end{wrapfigure}

basteln. gedit bietet außerdem Variablen mit denen man z.B. den ausgewählten Text ansprechen kann.

\textbf{$GEDIT_SELECTED_TEXT}

macht damit den ausgewählten Text fett.

Um nun das Kompilieren und Anzeigen des TeX-Dokuments einfach und komfortabel zu gestelten kann man wie gesagt das LaTeX-Plugin installieren. Ich bevorzuge die universellere Variante der “externen Werkzeuge” (ebenfalls ein Plugin) in Verbindung mit dem rubber Postprozessor für LaTeX (damit man die Fehlermeldungen auch versteht).

Das externe Werkzeug sieht dann so aus und aknn auch über eine Tastenkombination angesprochen werden.

#!/bin/sh
rubber --inplace --maxerr -1 --short --force --warn all -m pdftex $GEDIT_CURRENT_DOCUMENT_NAME

Mit diesen Shellskript-Fragmenten kann man noch beliebig viel mehr machen, aber das sprengt jetzt wohl den Rahmen. Wenn ihr dazu fragen habt, mailt einfach an laclaro-BEI-arcor.de

Meine Konfiguration:
~/.gnome2/gedit/snippets/latex.xml

Weitere Plugins:

Um wirklich schön arbeiten zu können ist außerdem das Autocomplete-Plugin sinnvoll, welches einem für getippte Wörter Vorschläge zur Vervollständigung macht, die in geöffneten gedit-Dokumenten vorkommen.

Zum Auskommentieren je nach Syntax des geöffneten Dokuments gibt es das Quelltextkommentar-Plugin.

In Debian/Ubuntu-Linux-Systemen gibt es für das alles die Pakete gedit-latex-plugin und gedit-plugins

About

Peter Pan. Kann fliegen mit Feenstaub.

Tagged with: , ,
Posted in LaTeX, Linux, Technik
3 comments on “LaTeX mit gedit
  1. alexander peters says:

    hey laclaro. thnx für deinen blog. dieser beitrag war genau das, was ich gesucht hab. nur ein hinweis: die optionen für den rubber- befehl müssen teilweise mit zwei spiegelstrichen geschrieben werden — der editor des blogs hat die aber zusammen gezogen.

    und ansonsten: wie würd ich’s denn hinbekommen, mir ein schnellanzeige-werkzeug zu bauen? bei “externe werkzeuge verwalten” eines mit “evince $GEDIT_CURRENT_DOCUMENT_NAME” anzulegen geht nicht. der versucht mir dann die tex-datei anzuzeigen.

    hau rein!

    • laclaro says:

      Dank’ dir! Die Lösung deines Problems:

      Du willst ja auch nicht die tex-Datei mit evince öffnen, sondern, die entsprechende .pdf-Datei:

      #!/bin/sh
      evince ${GEDIT_CURRENT_DOCUMENT_NAME%\.tex}.pdf

      Der reguläre Ausdruck löscht die Zeichen .tex am Ende des Dateinamens und .pdf hängt dann ein .pdf an.

  2. […] der Benutzung des Post-Prozessors rubber (z.B. mit gEdit) ist das ganze etwas schwieriger, weil bisher nur die Entwickler-Versionen neuer als 26. Juni 2011 […]

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

Posts by topic…
…by month
Have a look at…


%d bloggers like this: