Andalusische Weihnachten

Weihnachten in Südspanien, das ist, nunja… sagen wir mal etwas anders als in Nordeuropa. Kein Wunder: Ohne Kälte,  Schnee, Glühwein und Nordmanntannen will einfach nicht das “richtige” Gefühl aufkommen. Dabei geben sie sich schon Mühe.

Belebte Straßen werden mit großen Licht-Installationen geschmückt, die meist dezent funkeln und blinken. Die Bazaare (Chinaläden) verkaufen Plastiktannenbäume, mit oder ohne Schnee, leuchtende Rentiere für den Vorgarten und vieles mehr. In den Geschäften werden pulverige Gebäckstückchen mit Nüssen und Schweineschmalz, die sog. Polverones angeboten. Und wer doch ein wenig Heimweh hat oder anderen vom deutschen Weihnachtsfest erzählen will: Stollen, Lebkuchen und Glühwein gibt es bei Lidl. Gewürze wie Nelken, Zimtstangen und Sternanis im Markt von Triana (Preise vergleichen!).

Die Innenstadt um den Plaze Nueva und die Kathedrale sind ebenfalls weihnachtlich erleuchtet. Viele, wenn nicht alle Lichter sind in kalten Tönen gehalten, so als wenn die Leute sich nach echtem Eis sehnen würden. Tagsüber ist das ein Witz, aber wenn die Sonne untergegangen ist wird es schlagartig kühl.

Kurios, Kulturforscher hergehört! Die spanischen Kinder assoziieren Weihnachten wie bei uns mit Schneemännern, warmen Mützen und Weihnachtsmännern in Rentierschlitten — dabei gibt es das hier doch gar nicht. Naja, vielleicht doch. Im Park bei der Prado San Sebastian ist eine Schlittschuhbahn aufgebaut — bei 17°C im Dezember.

Der Dezember ist außerdem die Zeit der Krippen. Das einladende Wort Belén (=Bethlehem/Krippe) liest man praktisch überall. Selbst in Privathäusern werden weihnachtliche Krippenszenen ausgestellt. Einer hat sie in seinem Kofferraum und lässt die Passanten (für eine Spende) staunen. Neben der Kathedrale gibt es einen Belén-Markt. Hier wird alles, aber wirklich alles verkauft, das zur standesgemäßen Ausstattung einer Krippe dient. Wer vielleicht Engeln und diesen Dingen wenig abgewinnen kann, aber zumindest liebevoll gestaltete Puppenhäuser mag, wird auch hier Spaß haben. Vom Hühnerei (in blaun oder weiß) über Hochbeete mit Kürbissen bis zu ganzen Häusern ist hier alles zu bekommen was anders wo fertig zusammengestellt besichtigt werden kann.

Ebenfalls beliebt: Lebenden Krippen. Dabei verkleiden sich möglichst viele Menschen als Araber und schmücken die Umgebung möglichst jerusalemisch. Maria und Joseph mit Jesuskind dürfen natürlich auch nicht fehlen. Und wenn dann noch ein paar Ziegen zur Hand sind, ist es perfekt. Ein großes Fest zum Beispiel in Tarifa am südlichsten Zipfel der iberischen Halbinsel.

Um die Festtage ist die Stadt vollkommen überfüllt. Die typisch spanischen Passanten, die im abendlichen Paseo durch die Straßen schlendern mischen sich mit Festtagsurlaubern und Leuten, die noch ein paar Weihnachtsgeschenke kaufen. Die Geschenke werden hier übrigens in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar von den heiligen drei Königen (los reyes) gebracht. Am 5. ziehen diese drei mit großem Gefolge in einem karnevalartigen Umzug, der Cabalgata de Reyes Magos durch die Stadt. Dabei sollte man sich aber wohl statt Taschen für die (Werbe-)Bonbons lieber einen Helm gegen diese mitnehmen.

About

Peter Pan. Kann fliegen mit Feenstaub.

Tagged with: ,
Posted in Sevilla

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

Posts by topic…
…by month
Have a look at…


%d bloggers like this: