ICQ? Nein danke

Es gibt eigentlich nur einen Grund der für ICQ als Chatprotokoll spricht, der häufig ungefähr als “Da sind ja alle meine Freunde und das ist so einfach.” formuliert wird. Stimmt, die “Eiskuh” war einer der ersten Dienste dieser Art und ist dementsprechend ziemlich verbreitet. Aber es gibt Alternativen, die eine langsame Entwöhnung von ICQ ermöglichen. Warum das besser wäre? Hier einer der Gründe, offensichtlich “versteckt” in diesem kleinen Auszug aus ICQs Lizenzvereinbarung:

Während alle Rechte, Besitzrechte […] an […] geposteten Informationen, Dokumenten, Inhalten, Bildern, Fotos oder sonstigen Materialien („Materialien“) bei Ihnen verbleiben, gewähren Sie […] ICQ […] hiermit eine unwiderrufliche, dauerhafte, weltweite Lizenz zur Nutzung, Reproduktion, Bearbeitung, Vermarktung, Speicherung, Verteilung, Verteilung durch Dritte, öffentlichen und privaten Anzeige, Kommunikation, öffentlichen und privaten Aufführung, Übertragung, Übertragung durch Dritte, Erstellung abgeleiteter Werke auf der Grundlage der Materialien und zur Werbung für die Materialien (unter Umständen in einer von ICQ nach Belieben bearbeiteten und geänderten Fassung) über die ICQ Services und andere Produkte und Dienstleistungen zu redaktionellen, gewerblichen, werbebezogenen oder sonstigen Zwecken, die ICQ in einem beliebigen, bereits bekannten oder zukünftig erfundenen Medium bestimmen kann.

Das bedeutet im Klartext auch, dass du jegliche Rechte für alle über ICQ kommunizierten Informationen vollständig abgibst. Macht nichts? Du hast sowieso nicht vor deinen ersten Roman mit ICQ zu schreiben? Macht doch was! Es geht um’s Prinzip!

Die Alternative heißt Jabber. Jabber ist der schönere Name des XMPP-Chatprotokolls, eines freien Chatprotokolls, dass heutzutage von den allermeisten Instant-Messenger-Programmen (Trillian, mirandaIM, Pidgin, …) unterstützt wird. Viele der webseitenbasierten online-Chats setzen übrigens auch aufd XMPP (gmx.de und Co.).

Einen Jabber-Account zu erstellen ist einfach und geht in der Regel direkt aus dem Chatprogramm heraus (Haken bei “Account erstellen”).

Das Jabber-Protokoll ist dezentraler Natur. Es gibt daher viele Server (verschieden reich an Features), die sich automatisch untereinander vernetzen. Beim erstellen eines Accounts muss man daher einen Jabber-Server wählen, z.B. jabber.org oder jabme.de. Die erstellte Benutzerkennung ist dann ACCOUNT@SERVER und kann direkt von anderen Benutzer aller Jabber-Server hinzugefügt werden.

Viele Server verfügen über sogenannte Transports, d.h. man kann direkt von seinem Jabber-Account mit Benutzern anderer Netzwerke wie ICQ und MSN chatten. Dies soll den Umstieg zusätzlich erleichtern, braucht man eigentlich aber nicht, weil ja heutzutage alle Chatclients mehrere Accounts verschiedener Herkunft verwalten können.

Mit der Zeit überredet ihr also immer mehr von euren Freunden sich in zwei Minuten einen Jabber-Account zuzulegen und chattet ab sofort mit ihnen ohne, dass alle eure Gespräche bei einem Konzern ausgewertet und gespeichert werden. Funktioniert bei mir prächtig. Gutes Gefühl? Ja!

Interessant: Der Facebook-Chat lässt sich übrigens auch per XMPP erreichen, allerdings nur unverschlüsselt. Aber am besten ist ja man benutzt das gar nicht😀

Mit Jabber lebt man jedenfalls deutlich gesünder, probiert’s und lest auch hier.

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Peter Pan. Kann fliegen mit Feenstaub.

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7 comments on “ICQ? Nein danke
  1. Adoa says:

    Einfachjabber.de ist ein großartiger Startpunkt für Jabber.

  2. Adoa says:

    Oh und im übrigen war ICQ tatsächlich der erste Dienst für Sofortnachrichten.

  3. laclaro says:

    Und jabber kann Voice over IP, kann also auch als Ersatz für Skype dienen!

  4. […] hatte ich vor einiger Zeit schon bei ICQ bemängelt, bei Facebook weiß man es ohnehin… einfach […]

  5. […] Thunderbird beherrscht nun endlich auch zuverlässig das XMPP/Jabber-Chat-Protokoll. Ist ja schöner und vor allem besser für die Privatsphäre als Facebook, ICQ und Co. (obwohl Facebook und Google das Protokoll in ihren Chats auch benutzen). Ich hatte ja schonmal darüber geschrieben. […]

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